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Ab in den S√ľden

25.09.2020, Sarah Hilfiker

W√§hrend dieses Jahr viele Schweizerinnen und Schweizer coronabedingt in den hiesigen Breitengraden blieben, werden sich davon andere Tiere nicht abhalten lassen. Die grosse Wanderung vieler Arten hat bereits wieder begonnen. Ob nach S√ľdfrankreich, Marokko oder S√ľdafrika, wird es bei uns k√§lter, zieht es viele V√∂gel, Flederm√§use und Schmetterlinge in s√ľdlichere Gefilde.
Ausgeflogen oder eingefroren? - Mittelalterliche Irrglauben

Die Wissenschaft tat sich lange schwer mit der Idee migrierender Tiere. Zumindest hielt sich im Mittelalter zwischenzeitlich der Irrglaube, Schwalben w√ľrden nicht nach S√ľden ziehen, sondern sich in zufrierenden Seen verstecken und im Fr√ľhjahr wieder auftauchen. Olaus Magnus, ein schwedischer Geschichtsschreiber, festigte diese Sage, die sich noch bis ins 19. Jahrhundert hielt. [1]

 

Höher, schneller, weiter

Doch die Wahrheit ist nicht minder spektakul√§r [2]: ¬†Auf bis zu 9000 m √ľ. M. √ľberquert etwa die Streifengans (Anser indica) den Himalaya - und das ohne Sauerstoffmaske und Thermounterw√§sche. Um solche H√∂hen zu meistern, reduziert sie ihren Stoffwechsel. Und in in ihrem Blutkreislaufsystem hat sie spezielle Anpassungen entwickelt, um Sauerstoff besser binden zu k√∂nnen. [3] ¬†¬†
Nicht ganz so hoch, aber doch eine eindr√ľckliche Strecke fliegt das Odinsh√ľhnchen (Phalaropus lobatus). In nur sechs Tagen zieht es einmal quer √ľber den Atlantik nach Amerika. Dort l√§sst es sich aber noch nicht stoppen und zieht weiter zum Pazifik, wo es den Winter verbringt.¬†
Die K√ľstenseeschwalbe (Sterna paradisaea) h√§lt den Langstreckenrekord unter den Zugv√∂geln. Jedes Jahr fliegt sie von der Arktis zur Antarktis und wieder zur√ľck. So profitiert sie vom langen Sommer der Pole, wo die Sonne nie untergeht ‚Äď ¬†und das gleich zweimal. W√§hrend etwa acht Monaten im Jahr herrscht f√ľr sie niemals Nacht.¬†

 

Zwitschernde Abendsegler

V√∂gel sind zwar die prominentesten Vertreter der Zugtiere, aber bei weitem nicht die einzigen. Auch Flederm√§use und Schmetterlinge migrieren √ľber weite Strecken. Der grosse Abendsegler (Nyctalus noctula) kehrt zurzeit hierher zur√ľck, um den Winter bei uns zu verbringen. Er bewohnt Baumh√∂hlen oder auch Geb√§udespalten. Wer nachts aufmerksam am Waldrand spazieren geht, kann die zirpenden Balzrufe der M√§nnchen h√∂ren. [4, 5]

 

Im Gegensatz zu Vögeln sind migrierende Fledermäuse bei uns eher im Winter zu Gast. © schneeleo / stadtwildtiere.ch

Migration als Generationen-Projekt

Von Skandinavien bis nach Westafrika zieht jedes Jahr auch der Distelfalter (Vanessa cardui) √ľber 15 000 km weit.¬† Jedoch legt nicht ein einzelner Falter diese enorme Strecke zur√ľck, die Wanderung geschieht √ľber mehrere Generationen. Die lange Reise gegen Norden, die ein Falter im Fr√ľhjahr in Afrika startet, beendet also erst sein Ur-ur-urenkel im Norden Europas. [6]

 

 

Auch Distelfalter ziehen jeden Herbst in den S√ľden und kehren im Fr√ľhjahr wieder zur√ľck. ¬© Jacqueline Hurt / stadtwildtiere.ch

Sommer Ade

Wenn sich die B√§ume bald gelb und rot verf√§rben, ziehen auch die letzten Sommerg√§ste los auf ihre lange Reise gegen S√ľden. Manch einer w√ľnscht sich vielleicht, es ihnen gleichtun zu k√∂nnen. Und doch, der Winter bei uns ist auch gar nicht mehr so ungem√ľtlich ‚Äď so haben einige Arten ihr Migrationsverhalten ge√§ndert und erfreuen uns nun auch im Winter mit ihrer Gesellschaft. So etwa der Storch, die Amsel oder auch der Admiralfalter. Und f√ľr die anderen heisst es erstmal: Lebt wohl und bis zum n√§chsten Fr√ľhjahr! ¬†¬†

 

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Verwendete Literatur

[1] https://www.realclearscience.com/blog
[2] https://www.spektrum.de/wissen
[3] Meir, J., York, J., Chua, B., Jardine, W., Hawkes, L. and Milsom, W., 2019. Reduced metabolism supports hypoxic flight in the high-flying bar-headed goose (Anser indicus). eLife, 8. 
[4] https://zuerich.stadtwildtiere.ch/Anleitung_AkustischeKartierung
[5] https://zuerich.stadtwildtiere.ch/sites
[6] https://www.welt.de/wissenschaft

Weiterf√ľhrende Informationen

https://www.vogelwarte.ch
https://www.nationalgeographic.org
Hutterer, Rainer & Ivanova, T. & Meyer-Cords, C.H. & Rodrigues, Luisa. (2005). Bat migration in Europe. A review of banding data and literature. Federal Agency for Nature Conservation.

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