Tipp

F├╝tterung von Wildtieren

30.04.2020, Anouk Taucher

Helfen wir oder schaden wir Wildtieren, wenn wir sie f├╝ttern? Die F├╝tterung von Wildtieren ist ein sehr kontrovers diskutiertes Thema. Grunds├Ątzlich raten wir davon ab. In bestimmten F├Ąllen kann jedoch eine Ausnahme gemacht werden.
Harte Zeiten f├╝hren zur nat├╝rlichen Auslese

Unsere einheimischen Wildtiere sind gut an die hiesigen Umweltbedingungen angepasst. Die Tiere finden unter normalen Umst├Ąnden gen├╝gend Nahrung. Dies gilt auch f├╝r den Siedlungsraum, der den st├Ądtischen Wildtieren einen reich gedeckten Tisch bietet. Harte Winter oder trockene Sommer k├Ânnen jedoch eine schwierige Zeit f├╝r die Tiere sein. Manch geschw├Ąchtes Individuum ├╝berlebt eine solche Periode nicht, was aber zur nat├╝rlichen Auslese beitr├Ągt. Wenn wir Tiere f├╝ttern, halten wir die Population k├╝nstlich auf einem h├Âheren Bestandesniveau, als sie nat├╝rlicherweise w├Ąre. F├Ąllt die F├╝tterung pl├Âtzlich weg, kann dies zu einem Zusammenbruch der Population f├╝hren.

 

Verhaltens├Ąnderungen aufgrund von Futterstellen

Futterstellen k├Ânnen auch Stress f├╝r die Tiere bedeuten. Gewisse Tierarten, wie beispielsweise Geier, legen oft mehrere Kilometer zur├╝ck, um eine Futterstelle aufzusuchen. An diesen Orten treffen dann meist viele Individuen aufeinander. Die damit einhergehenden sozialen Auseinandersetzungen f├╝hren besonders bei einzelg├Ąngerisch lebenden Tieren zu Stresssituationen und erh├Âhen bei allen Wildtieren die Gefahr von Krankheits├╝bertragungen. ┬áDie F├╝tterung von Wildtieren kann somit zu ├änderungen im Bewegungsmuster aber auch im Verhalten der Tiere f├╝hren. Bei Igeln kann es vorkommen, dass sie den Winterschlaf nicht starten, wenn sie weiter gef├╝ttert werden.

 

 

G├Ąnsegeier an einem Futterplatz┬á┬ę Franziska L├Ârcher / swild.ch

 

Artgerechtes F├╝ttern sehr schwierig

Leider fressen die meisten Wildtiere auch Nahrungsmittel, die nicht gut für ihre Gesundheit oder nicht verdaulich sind. Igel trinken beispielsweise sehr gerne Milch, was bei ihnen aber zu Durchfall führt. Zudem muss man die Nahrungsansprüche eines Tieres sehr gut kennen, damit man es artgerecht füttern kann. Die natürliche Nahrungsvielfalt der Wildtiere kann in einer künstlichen Fütterung kaum nachgeahmt werden. Schliesslich muss sichergestellt sein, dass nur die Art Zugang zum Futter hat, die man füttern will. 

 

 

F├╝chse machen sich ├╝ber Fallobst her. ┬ę Hans-Peter Stutz

 

Zu viel der N├Ąchstenliebe

Bestimmte Tierarten verlieren schnell ihre Scheu vor Menschen, wenn sie gef├╝ttert werden. Dies ist beispielsweise bei F├╝chsen der Fall. Zahme F├╝chse f├╝hren immer wieder zu Problemen und m├╝ssen geschossen werden, wenn sie in H├Ąuser eindringen oder den Menschen zu nahekommen. Rege besuchte Futterh├Ąuschen f├╝r V├Âgel sind auch ein Magnet f├╝r Hauskatzen. Die Futterh├Ąuschen m├╝ssen daher so aufgestellt werden, dass sie den V├Âgeln nicht nachstellen k├Ânnen. ┬á┬á

 

F├╝r Dachse sind Abfalls├Ącke wahre Fundgruben. ┬ę Tobias Reinhard / stadtwildtiere.ch

 

Wasser ÔÇô eine seltene Ware im Siedlungsraum

Besonders in heissen Sommern ist Wasser in der Stadt Mangelware. Eine gute Alternative zur F├╝tterung von Wildtieren ist es eine Schale gef├╝llt mit Wasser anzubieten. Die Wasserschale sollte regelm├Ąssig (ein Mal pro Tag) gereinigt werden. Dies beugt der ├ťbertragung von Krankheiten und der Entwicklung von M├╝ckenlarven vor. Ausserdem m├╝ssen tiefere Schalen mit einer Ausstiegshilfe versehen werden, so dass auch kleine durstige Tiere, wie beispielsweise Eidechsen oder Molche, wieder den Weg aus dem Nass finden.

 

Ein Auge zudr├╝cken

In Ausnahmef├Ąllen kann man Wildtiere aber durchaus mal f├╝ttern. Wichtig ist dabei, immer auf die artgerechte F├╝tterung und die Hygiene zu achten. Beispielsweise bietet das F├╝ttern von V├Âgeln im Winter sch├Âne Beobachtungsm├Âglichkeiten, auch f├╝r Kinder. Weitere Informationen zur F├╝tterung von V├Âgeln finden Sie in der weiterf├╝hrenden Literatur.┬á
Manchmal sind Jungigel vor dem Winter noch zu leicht, als dass sie sich in den Winterschlaf begeben k├Ânnen. Dann kann eine Anf├╝tterung draussen verhindern, dass die Tiere in eine Pflegestation gebracht werden m├╝ssen. Wichtig ist auch hier, mit der F├╝tterung zu stoppen, sobald das Gewicht f├╝r den Winterschlaf erreicht ist. Von der F├╝tterung von Raubtieren soll in jedem Fall abgesehen werden.

 

 

Auch Eichh├Ârnchen lassen sich mit etwas Gl├╝ck an Vogelh├Ąuschen beobachten.
┬ę Alexander Wyrsch / wildenachbarn.ch

 

Nat├╝rliches Futter f├╝r Wildtiere

Helfen Sie den Wildtieren, indem Sie daf├╝r sorgen, dass die Tiere in ihrer Umgebung genug zu fressen haben. Pflanzen Sie einheimische Blumen und Str├Ąucher, die zu unterschiedlichen Zeiten im Jahr bl├╝hen und Samen, Fr├╝chte oder Beeren tragen. Eine vielf├Ąltige, strukturreiche Wohnumgebung bietet viele Nischen f├╝r Wildtiere und vor allem f├╝r Insekten, die die Hauptnahrung von Igeln sind.┬á

 

Weiterführende Literatur 

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┬ę Saskia Jenny / stadtwildtiere.ch

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