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Erstaunlich

Wie die Wildtiere durch den Winter kommen

23.11.2020, Miriam Jakob

Der Winter stellt eine grosse Herausforderung f√ľr die Wildtiere dar. Um diese harsche Zeit zu √ľberstehen, haben die Tiere verschiedene Strategien entwickelt. Einige wandern s√ľdw√§rts, andere bleiben und sch√ľtzen sich mit einem dicken Fell. Manche kuscheln sich in ein Versteck, zehren vom Winterspeck und verschlafen den Winter.
Der Kälte trotzen

Wenn es draussen eisig kalt wird, ziehen wir uns gerne in die gem√ľtliche Stube mit einer w√§rmenden Tasse Tee zur√ľck. Doch was machen die Wildtiere im Winter, wenn sie kaum mehr Nahrung finden? Mobile Arten wie der Mauer- oder Alpensegler fliegen s√ľdw√§rts, um der K√§lte zu entkommen. Viele Tiere bleiben jedoch das ganze Jahr √ľber im gleichen Gebiet und entwickeln wie der Fuchs oder das Wildschwein ein Winterfell, das sie bestens vor den frostigen Temperaturen sch√ľtzt. Dieser dicke Wintermantel besteht aus zwei verschiedenen Haartypen: Die feinen, gekrausten und sehr dichten Haare der Unterwolle dienen vor allem der W√§rmeisolation, w√§hrend die robusten Deckhaare vor N√§sse sch√ľtzen. Verschiedene Tierarten wie beispielsweise der Biber fressen sich √ľber den Sommer und Herbst eine dicke Fettreserve an oder legen wie das Eichh√∂rnchen Verstecke mit Futter an. Manche Tiere ziehen sich in Unterschl√ľpfe, in H√∂hlen oder Asthaufen zur√ľck und kommen erst im Fr√ľhling wieder zum Vorschein.

 


¬†Das Wildschwein ist mit seinem dichten Winterfell gut f√ľr den Winter ger√ľstet.
© Philip Spillmann / wildenachbarn.ch 

Den Winter auf Sparflamme verschlafen

Das knappe Nahrungsangebot im Winter ist vor allem f√ľr kleine S√§ugetiere problematisch. Denn sie brauchen sehr viel Energie, um ihre K√∂rpertemperatur auf einem konstanten Wert zu halten. Deshalb halten viele von ihnen einen Winterschlaf. Zu den einheimischen Tieren, die den Winter verschlafen, geh√∂ren Flederm√§use, Murmeltiere, Haselm√§use, Siebenschl√§fer und Igel. W√§hrend des Winterschlafs senken sie ihre K√∂rpertemperatur und fahren den Stoffwechsel stark zur√ľck, so dass sie weniger Energie ben√∂tigen. Der Igel beispielsweise senkt seine K√∂rpertemperatur von 36 auf circa acht Grad Celsius herab und atmet anstelle von 40 bis 50 Mal pro Minute nur noch ein- bis zweimal pro Minute. Sein Herz schl√§gt nicht mehr 200 Mal, sondern nur noch f√ľnfmal pro Minute [1]. W√§hrend dieser Zeit zehrt er vom Winterspeck, den er sich im Herbst angefressen hat.
 

 

F√ľr den Winterschlaf kugelt sich der Igel ein.
© Miriam Jakob / stadtwildtiere.ch

Der Winterschlaf dauert √ľblicherweise mehrere Monate. So schl√§ft das Murmeltier ungef√§hr sechs und der Siebenschl√§fer durchschnittlich acht und bis maximal elf Monate ‚Äď also l√§nger als sein Name vermuten l√§sst [2]. Manchmal wachen diese Tiere auf, damit sie etwas fressen oder koten k√∂nnen. Allerdings kostet es sie viel Energie, die K√∂rpertemperatur und den Stoffwechsel in diesen Aufwachphasen hochzufahren. Vermutlich dient dieses periodische Aufw√§rmen unter anderem dazu, das Ged√§chtnis aufrecht zu erhalten [3]. ¬†
 

 

Ein Siebenschl√§fer im Fr√ľhherbst. Bald wird er in den Winterschlaf gehen und davor noch reichlich Fettreserven anfressen.
© Miriam Jakob / stadtwildtiere.ch

Winterruhe 

Eine Winterruhe halten Eichh√∂rnchen, Dachse und B√§ren. Sie verschlafen den Winter zwar auch, sie reduzieren jedoch ihre K√∂rpertemperatur weniger stark. Auch gr√∂ssere S√§ugetierarten, welche sich in einen Bau zur√ľckziehen, verringern ihre Temperatur in der Regel nur um wenige Grad Celsius [3]. Bei verschiedenen B√§renarten und Dachsen bleibt die K√∂rpertemperatur w√§hrend des D√§mmerungsschlaf durchgehend √ľber 30 Grad Celsius [3]. Dies braucht zwar mehr Energie, als wenn sie einen Winterschlaf machen w√ľrden. Sie w√§ren jedoch schneller wieder auf den Beinen, falls sie angegriffen w√ľrden.¬†
 


Der Dachs macht eine Winterruhe und verbringt den Grossteil der kalten Jahreszeit in seinem Bau.
© hans.althaus / wildenachbarn.ch

Pssst, nicht stören!

Jedes Aufwachen kostet die Winterschl√§fer viel Energie. Deshalb sollten sie ganz besonders im Winter nicht gest√∂rt werden. Gartenbesitzer k√∂nnen den Tieren das √úberwintern durch eine naturnahe Gartengestaltung erleichtern. Vielf√§ltige G√§rten mit Hecken aus Wildstr√§uchern und mit blumenreichen Wiesen sorgen f√ľr ein gutes Nahrungsangebot und helfen den Tieren, dass sie sich im Herbst den n√∂tigen Winterspeck anfressen k√∂nnen und wilde Ecken mit Stein-, Laub- oder Asthaufen nehmen sie gerne als Winterquartiere an (siehe auch die Blogbeitr√§ge ¬ęWinterquartiere f√ľr Igel¬Ľ und ¬ęG√§rten f√ľr unsere wilden Nachbarn¬Ľ).

 

 

Hecken aus Wildsträuchern im Garten bieten vielen Wildtieren ein reiches Nahrungsangebot und Unterschlupf.
© stadtwildtiere.ch

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Quellen

[1] NABU, Winterschlaf und Winterruhe 
[2] Hoelzl, F., Bieber, C., Cornils, J.S.¬†et al.¬†How to spend the summer? Free-living dormice (Glis glis) can hibernate for 11 months in non-reproductive years.¬†J Comp Physiol B¬†185,¬†931‚Äď939 (2015). https://doi.org/10.1007/s00360-015-0929-1
[3] Suter, W. (2017). √Ėkologie der Wirbeltiere (1. Auflage). Bern: Haupt. S. 76-77.

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