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Wasser f√ľr unsere durstigen wilden Nachbarn

08.05.2020, Claudia Kistler

Der April, der macht, was er will. Diese viel zitierte Bauernregel traf dieses Jahr kaum auf den normalerweise unberechenbaren Fr√ľhlingsmonat zu. Keine abrupten Wechsel zwischen Schneeschauern, Regeng√ľssen und w√§rmender Fr√ľhlingsonne, sondern Sonnenschein ohne Ende bei fast schon sommerlichen Temperaturen. Laut Meteoschweiz war der April 2020 der zweit- bis viertw√§rmste April seit Messbeginn 1864! Die Folge: Ausgetrocknete B√∂den, durstige Pflanzen und Tiere. Im dicht bebauten Siedlungsgebiet ist es f√ľr die Wildtiere in Trockenperioden nicht immer einfach, Wasser zu finden. Mit ein wenig Hilfe k√∂nnen wir ihnen das Leben in regenarmen Zeiten erleichtern.
 
Wasserknappheit im Siedlungsraum

Siedlungsgebiete sind gute Lebensr√§ume f√ľr viele Tier- und Pflanzenarten. Begebe ich mich auf eine Stadtwanderung, komme ich an unterschiedlichen Gr√ľnr√§umen vorbei: Hausg√§rten, Hinterh√∂fe, Industriebrachen, Gartenareale, Baumalleen, Parkanlagen, Flussufer und begr√ľnte D√§cher oder Fassaden. Aus der Vogelperspektive betrachtet, bilden sie ein abwechslungsreiches Mosaik. Die heutzutage angesagte verdichte Bauweise f√ľhrt jedoch zu einer Zunahme an versiegelten B√∂den. St√§dte werden zu Hitzeinseln und ihre Durchschnittstemperaturen √ľbersteigen diejenigen des Umlands deutlich. Es wird immer trockener. Und wenn der Regen f√ľr l√§ngere Zeit ausbleibt wie im vergangenen April, kann Wasser f√ľr manche Wildtiere zu einer knappen Ressource werden.¬†

 

 
Der Versiegelungsgrad im Siedlungsraum nimmt zu. © Claudia Kistler / stadtwildtiere.ch  

 

Hotspot Wasserschale

Hier k√∂nnen wir Menschen Abhilfe schaffen. Es ist ganz einfach: Man f√ľllt ein Gef√§ss mit Wasser und versieht es mit √Ąsten und Steinen als Ausstiegshilfen f√ľr kleinere Besucher. Denn bei ihnen besteht die Gefahr, dass sie ertrinken. Daher sind flache Schale besser geeignet. Wichtig ist, das Wasser t√§glich zu wechseln, damit sich m√∂glichst keine Keime verbreiten k√∂nnen. Stellt man die Installation an einen gut √ľberblickbaren Ort im Garten, ergibt das eine perfekte Beobachtungsstelle. Steht eine Fotofalle zur Verf√ľgung, wird es erst recht interessant. Denn dann werden auch die heimlichen n√§chtlichen Besucher sichtbar!¬†

 
Badende Spatzen, durstige Igel, mutige Mäuse

So geschehen bei den Stadtnaturbeobachterinnen Franziska L√∂rcher und Cornelia H√ľrzeler. Sie sind im April den Tieren zu Hilfe geeilt und haben sie w√§hrend der Trockenperiode mit Wasser versorgt. Gleichzeitig haben sie ihre Wildtierkameras in Position gebracht. Wie die tollen Bilder beweisen, herrschte an ihren Wasserstellen reges Treiben, sowohl tags√ľber als auch in der Nacht. Bei Franziska haben die Spatzen die Schale kurzerhand in ein Freibad verwandelt. Nachts tappte tats√§chlich ein Igel in die Fotofalle und auch eine Maus wagte sich ans w√§ssrige Buffet. Ihr Fressfeind, der Dachs, war drei N√§chte sp√§ter im Garten unterwegs, wundersch√∂n pr√§sentierte er sein arttypisches Streifengesicht.

 

 
Steigen die Temperaturen, nehmen V√∂gel gerne ein Bad. Hier vergn√ľgt sich eine Gruppe Spatzen.¬†

 

 

 

 


Der kleine Fussgänger ist scheinbar froh um eine Erfrischung. 

 

 

 

Bei tiefen Schalen brauchen kleine Tiere Ausstiegshilfen. Die Maus als Kletterk√ľnstlerin hat hier kein Problem.

 

 

 
Dachse werden häufiger im Siedlungsraum.

 

Die vier obigen Bilder © Franziska Lörcher / stadtwildtiere.ch 

 

Von schlauen Vögeln

Auch Cornelia l√§sst uns an ihren Erlebnissen teilhaben und berichtet uns: ¬ęSeit wir die Wasserstelle eingerichtet haben, ist der B√§r los! Die Kr√§hen sind die Schlauesten. Jeden Tag bringen sie mehrfach Brot, oder auch andere brot√§hnlichen Resten wie ganze Reiswaffeln, versenken und weichen es ein, warten kurz, fressen es auf oder nehmen es eingeweicht mit.¬Ľ

 

 

 

Schlaue Rabenkrähe. 

 

In ihrer Nachbarschaft sind zudem Elstern eingezogen: ¬ęDie Elstern kommen vielleicht, weil sie nebenan in einem Pfl√ľmlibaum ein Nest gebaut haben. Ich hoffe, sie br√ľten auch.¬Ľ Elstern geh√∂ren auch zur Familie der Rabenv√∂gel und stehen den schwarzen Einsteins in Bezug auf Intelligenz in nichts nach. Cornelia freut sich sehr √ľber die vielen Besucher: "Es kommen wirklich alle, regelm√§ssig! Der Dachs hat jeweils zuerst getrunken und dann sein Hinterteil in der Schale gebadet, vielleicht auch markiert.¬Ľ

 

 

¬†Tags√ľber nutzen die Elstern die Schale zum Trinken und ‚Ķ¬†

 

.... die Amsel und ...

 

... die Blaumeise zum Baden.

 

 

Und nachts kommen der Fuchs ...

 

... der Dachs...

 

... und der Marder vorbei, um ihren Durst zu löschen. 

 

Alle Bilder¬† ¬© Cornelia H√ľrzeler¬†/ stadtwildtiere.ch¬†

 
Ersatzlebensräume einrichten

Wo ein hoher Versiegelungsgrad herrscht in der Stadt, sind Wasserstellen besonders wichtig. Hinterh√∂fe und Vorg√§rten eignen sich hervorragend f√ľr das Einrichten von Wasserstellen. Vielleicht hat es sogar Platz f√ľr einen Brunnen. Etwas aufw√§ndigere Alternativen zu den oben erw√§hnten Wasserschalen sind im Zuber angelegte Sumpflandschaften. An einem halbschattigen Ort platziert und bepflanzt mit einheimischen Wildpflanzen sind sie h√ľbsch anzusehen und bilden eine halbnat√ľrliche Wasserstelle.¬†

 

 


 Miniteich oder Sumpflandschaft mit Sumpfdotterblumen und Lilien. © Claudia Kistler / stadtwildtiere.ch 

 

 
Brunnen sind eine √§usserst wertvolle Einrichtung im Siedlungsgebiet. ¬© Cornelia H√ľrzeler¬†/ stadtwildtiere.ch

 

 

 

Weiterf√ľhrende Informationen

Bundesamt f√ľr Umwelt BAFU: Hitze in St√§dten

 

 

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