Erstaunlich

Tiger, Löwe und Bär im Hinterhof

29.05.2020, Sandra Gloor

Von wegen Tiger und Löwen gibt es nur in fernen Ländern und Bären nur in einsamen Alptälern… Auch in unseren Hinterhöfen und Gärten leben sie – als Tigerschnegel, Ameisenlöwen und Bärtierchen. Ihnen nachzuspüren und sie zu beobachten, ermöglicht uns zwar kleine, aber umso erstaunlichere Entdeckungen.
 
Tigerschnegel: die grösste Schnecke Europas macht Jagd auf andere Nacktschnecken

Der Tigerschnegel (Limax maximus) ist wohl vielen wenig bekannt, da er nachtaktiv lebt. Die bei Licht betrachtet auffällig gemusterte Schnecke kommt jedoch fast überall vor, wo es genügend feucht ist und sie Futter findet: in Innenhöfen und Gärten, an Komposthaufen oder unter Brettern. Bei uns leben Tigerschnegel in der grünen Tonne, die für die Grünabfuhr im Innenhof steht. Tigerschnegel fressen andere Nacktschnecken, Rüstabfälle, Pilze oder Algen. Absonderlich ist ihr Paarungsverhalten: Zwei Tigerschnegel umschlingen sich und lassen sich dann an einem gemeinsamen Strang ineinander verdrehter Schleimfäden bis zu 40 cm abseilen. Dort tauschen sie ihre Spermienpakete aus. Am Ende der Paarung lässt sich ein Tier nach unten fallen, das andere kriecht am Schleimfaden wieder nach oben.
Hier das Video zum Paarungsverhalten
 

 

Tigerschnegel © Fabio Bontadina / swild.ch

 

Ameisenlöwen jagen Ameisen 

Ameisenlöwen sind die Larven von Ameisenjungfern. Je nach Art werden sie bis 1.5 cm gross. Das ausgewachsene Insekt wird Ameisenjungfer genannt und sieht mit seinen länglichen, durchsichtigen Flügeln einer Libelle ähnlich. Ameisenjungfern gehören jedoch zur Insektenordnung der Netzflügler, die Libellen zur Ordnung der Odonata.
Die Ameisenlöwen verwenden eine spezielle Technik, um ihre Beute zu fangen. Sie graben an trockenen Stellen im Sand kleine Trichter von ca. zwei bis drei cm Durchmesser. Verirrt sich eine Ameise in diesen Trichter, bewirft sie der Ameisenlöwe, der sich an unterster Stelle des Trichters im Sand eingegraben hat, mit Sandkörnchen und behindert so die Flucht der Ameise. Der Ameisenlöwe besitzt bedornte Greifzangen, mit denen er die Beute festhalten kann. Mit dem starken Gift aus der Greifzange tötet der Ameisenlöwe die Beute und saugt sie anschliessend aus. Die kleinen Trichter kann man an sandigen, von der Witterung geschützten Stellen beispielsweise entlang eines Gartenhauses finden. Hier lassen sich die Ameisenlöwen bei der Jagd beobachten. 

 


Trichter von Ameisenlöwen © Julia Schmid / swild.ch

 

Ameisenjungfer © Julia Schmid / swild.ch

 

Bären auf dem Dach

Betrachtet man Bärtierchen durch eine starke Lupe – die Tierchen sind lediglich 0.1 bis 0.3 mm gross – erinnern sie tatsächlich etwas an winzige Bären mit ihrer plumpen Form und den dicken Beinchen. Bärtierchen bilden einen eigenen Tierstamm (Tartigrada) und kommen überall vor, wo es nass oder zumindest zeitweise feucht ist: im Meer, in Seen und Flüssen oder in feuchten Lebensräumen an Land, z.B. in Mooskissen auf Bäumen, an Mauern oder auf Dachziegeln.
Weltweit sind bisher etwa 900 Bärtierchenarten beschrieben, ihre Verwandtschaft ist jedoch noch nicht gänzlich geklärt. Die urtümlichen Tierchen ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich. Es gibt eine eigene Website über sie mit einem Newsletter, einen langen Eintrag auf Wikipedia und viele wissenschaftliche Publikationen. Was an ihnen fasziniert, ist u.a. ihre Fähigkeit, bei Trockenheit zu kleinen Tönnchen zu erstarren. In diesem Zustand können sie selbst extreme Kälte oder radioaktive Strahlung unbeschadet überstehen. Bei günstigen Bedingungen bricht das Tönnchen auf und das Tier wird wieder aktiv (Stadtfauna, Ineichen & Ruckstuhl 2010). 

 

Bärtierchen unter dem Binocular © Martin Mach / Stadtfauna

 
Weiterführende Informationen:

Buch: Stadtfauna, Ineichen & Ruckstuhl, 2010, hier erhältlich 

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