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Partnersuche auf fĂŒchsische Art

12.01.2021, Claudia Kistler

Streckt man in diesen Tagen spĂ€ter am Abend die Nase nochmals in die kalte Nachtluft oder dreht noch eine letzte Runde mit dem Hund, sind zuweilen gespenstische heisere Rufe zu hören. Besorgt fragt sich manch eine, was da wohl los ist. Die ebenso beruhigende wie aufregende Antwort ist: Es sind FĂŒchse, die einander zubellen. Denn die Reinekes sind auf Partnersuche.
Heiseres Rufen in der Nacht

Die Paarungszeit der FĂŒchse, in der JĂ€gersprache Ranz genannt, erreicht im Januar ihren Höhepunkt. Leider habe ich dies Gebell in meiner Nachbarschaft lĂ€nger nicht mehr gehört. Die RĂ€ude hat bei «unseren» FĂŒchsen wohl unbarmherzig gewĂŒtet. Das typische, weit hörbare Bellen ist ab Dezember zu hören. Ab dann bis bis Anfang MĂ€rz ist der FuchsrĂŒde voll befruchtungsfĂ€hig, die FuchsfĂ€he hingegen erst rund 40 Tage spĂ€ter im Januar, und dies nur wĂ€hrend zwei bis drei Tagen. Bei so einer kurzen Zeitspanne muss die Kommunikation stimmen.

 

In diesem Film auf unserem Vimeo-Kanal ist das typische Bellen zu hören.

 

 

Die Paarungszeit der FĂŒchse ist im Winter. © Cornelia HĂŒrzeler / stadtwildiere.ch

 

LiebesdĂŒfte verströmen

Der paarungswillige Fuchs ist nicht nur hörbar, sondern auch riechbar. Aus Erfahrung kenne ich den starken Geruch gut, er ist unverwechselbar. Beim Kompost neben dem HĂŒhnerstall war er immer besonders gut zu riechen. Und wĂ€hrend der Paarungszeit der FĂŒchse verstĂ€rkt sich dieser olfaktorische Sinneseindruck noch. Mit den Duftstoffen lockt die FĂ€he den RĂŒden an, damit er sie rechtzeitig findet. Hat er das Weibchen gefunden, weicht er nicht mehr von ihrer Seite. Denn die mĂ€nnliche Konkurrenz will abgewehrt und der richtige Zeitpunkt zur Paarung erwischt werden.

 

 

Die MÀnnchen streiten sich immer wieder um die Weibchen. © Madlen Plattner / wildenachbarn.ch

 

Bis sie sich paaren will, erhÀlt er immer wiedermal eine deutliche Abfuhr, wenn er zu aufdringlich wird. Doch geht es auch immer wieder zÀrtlich zu und her. Das gegenseitige Belecken und Beknabbern im Gesicht und an den VorderlÀufen stÀrkt die Bindung der beiden.

 

 

Hat der FuchsrĂŒde eine FuchsfĂ€he gefunden, hĂ€lt er sich immer in ihrer NĂ€he auf. © FrĂ©dĂ©ric Pasquier / nosvoisinssauvages.ch

Kompliziertes Paarungsritual

Ist dann der Moment gekommen, paaren sie sich und mĂŒssen anschliessend bis zu einer Stunde lang aneinander hĂ€ngend ausharren, bis sowohl der Penis als auch die Scham abschwellen. Dieses HĂ€ngen kommt nur bei den Hundeartigen vor, der Grund fĂŒr dieses PhĂ€nomen ist nicht bekannt.

 

 

Das Paarungsritual der FĂŒchse endet oftmals im HĂ€ngen. © stadtwildtiere.ch

Wohnungswahl

Nach der Paarung prĂŒft die FĂ€he verschiedene Orte, bis sie sich fĂŒr den Bau entscheidet, wo sie nach 53 Tagen ihre Jungen zur Welt bringt. Vor allem im Siedlungsgebiet sind die FĂŒchse nicht allzu wĂ€hlerisch bei der Wohnungswahl. Beliebt sind trockene HohlrĂ€ume unter GartenhĂ€uschen oder ausbaubare Spalten bei GebĂ€uden, zuweilen teilen sie sich auch einen Erdbau mit Dachsen.

 

 

Fuchsbaue mĂŒssen trocken und geschĂŒtzt sein. Hier hat sich die Fuchsfamilie ihren Bau unter eine Rampe gegraben. © Claudia Kistler / stadtwildtiere.ch

Fuchswelpen – sĂŒss, sĂŒsser, am sĂŒssesten!

In der Stadt bilden FĂŒchse oftmals Familiengruppen aus verwandten Tieren. Meist hat nur eines der Weibchen Junge, die anderen helfen beim Aufziehen der Kleinen. Pro Wurf kommen meist vier bis sechs Welpen zur Welt. Die Frischgeborenen sind blind und taub, wiegen ca. 100 Gramm, sind zehn Zentimeter gross bzw. klein, ihr Fell ist schwarz, die Augen, vorerst noch geschlossen, blau. Gibt es etwas SĂŒsseres?!? Die Rasselbande wĂ€chst schnell heran und somit die nĂ€chste Generation FĂŒchse, die die kalte Luft der WinternĂ€chte mit ihrem heiseren Bellen erfĂŒllen.

 

 

Mit vier Wochen kommen die JungfĂŒchse erstmals aus dem Bau. Sie sind noch sehr vorsichtig und wagen sich nicht weit vom Bau weg. © Hans Althaus / wildenachbarn.ch

 

 

Nach fĂŒnf bis sechs Wochen hat sich das Fell der JungfĂŒchse zum typischen Rotbraun gewandelt. © Carlo Monigatti / wildenachbarn.ch

 

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WeiterfĂŒhrende Informationen

Hier noch ein weiteres Beispiel fĂŒr das typische Bellen der FĂŒchse.

Artportrait Fuchs

Fuchsratgeber

Unter FĂŒchsen: eine Verhaltensstudie. David Macdonald. Knesebeck, MĂŒnchen, 1993. 253 S.

 

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