Wissen

Die Vielfalt der Wildbienen

07.09.2020, Julia Schmid

Die Honigbiene (Apis mellifera) ist wohl die bekannteste aller Bienenarten, denn sie liefert uns den s√ľssen Honig f√ľr unser Zmorgebrot. Dass es neben der domestizierten Honigbiene jedoch noch mehrere hundert weitere Bienenarten in der Schweiz gibt, ist den wenigsten gel√§ufig.
Unglaubliche Artenvielfalt

Bienen (Apidae) geh√∂ren zur Ordnung der Hautfl√ľgler (Hymenoptera) und sind eine der artenreichsten Verwandtschaftsgruppen innerhalb der Insekten. Neben den Wildbienen geh√∂ren auch Wespen und Ameisen in die Ordnung der Hautfl√ľgler. Weltweit wurden √ľber 30‚Äô000 Bienenarten entdeckt und allein in der Schweiz konnten schon 615 Bienenarten nachgewiesen werden. Diese unglaubliche Vielfalt spiegelt sich auch in der Gestalt und der Lebensweisen der Wildbienen wider. Die kleinste Wildbiene der Schweiz, die Steppenbiene, ist gerade mal drei bis vier Millimeter gross und die gr√∂sste Wildbiene, die Erdhummel, wird drei bis vier Zentimeter gross.
Die L√§nge und Farbe der K√∂rperbehaarung sowie das B√§nderungsmuster k√∂nnen zwischen den und innerhalb der Arten stark variieren: Von weissgelb √ľber dunkelgelb hin zu orange, rot, braun und schwarz sind viele verschiedene Farb- und B√§nderungsmuster vertreten.

 

Holzbiene im Anflug an einen Rosmarin.

 

¬© Cornelia H√ľrzeler /stadtwildtiere.ch

Spannende Lebensweise

Wildbienen m√∂gen es gern warm, trocken und strukturreich. Wildbienenhabitate m√ľssen nicht gross sein, aber sie m√ľssen ein Bl√ľtenangebot √ľber die ganze Saison sowie Nistpl√§tze und Nistmaterial aufweisen. Die meisten Wildbienen leben solit√§r und nicht als Bienenvolk. Eine Ausnahme bilden die Hummeln, die meistens in V√∂lkern leben und wie die Honigbiene Arbeiterinnen und eine K√∂nigin haben.
W√§hrend des Sommers bauen viele Wildbienen ihre Nester im Erdboden oder in Abbruchkanten von Erdh√ľgeln, andere Arten graben G√§nge in Totholz oder markhaltige Pflanzenst√§ngel. Einige Arten benutzen sogar ausschliesslich leere Schneckenh√§user. Ein Nest besteht aus einer oder mehreren Brutzellen, in denen sich aus dem Ei die Larve und schliesslich die adulte Biene entwickelt. Die Brutzelle wird mit Nektar und Pollen gef√ľllt, so dass die Larve w√§hrend ihrer Entwicklung gen√ľgend Nahrung zur Verf√ľgung hat. In der sp√§ter verschlossenen Brutzelle begibt sich die Larve in den Ruhestatus und √ľberdauert so den Winter. Im Fr√ľhling beginnt die Entwicklung der Larve zur adulten Biene.

 

 

Die Pelzbiene findet ein gutes Bl√ľtenangebot in vielf√§ltigen G√§rten.

 

© Franziska Lörcher /stadtwildtiere.ch

Wildbienen im Siedlungsraum

Der Siedlungsraum bietet vielen Arten einen Lebensraum. In Parks, auf Wiesen in Friedh√∂fen oder in Hinterh√∂fen, an begr√ľnten Strassenr√§ndern oder Bahngleisen, auf Brachen, in G√§rten oder auf Balkonen lassen sich verschiedenste Wildbienen beobachten. Das w√§rmere Mikroklima und das teilweise reichhaltige Bl√ľtenangebot im Siedlungsraum scheint einigen Wildbienenarten gut zu gefallen. In der Stadt Z√ľrich wurden bisher √ľber 140 Wildbienenarten nachgewiesen. Es gibt diverse Studien (1,2,3), die aufzeigten, dass die Wildbienenvielfalt in der Stadt sogar gr√∂sser sein kann als in der umliegenden Agrarlandschaft. Gr√ľnde daf√ľr sind wahrscheinlich die intensive Bewirtschaftung der Kulturlandschaft, der Einsatz von Pestiziden und fehlende Nistm√∂glichkeiten.

 

Eine Hummel sucht nach Nektar und Pollen f√ľr den Nachwuchs im Klatschmohn.

 

© Julia Schmid / stadtwildtiere.ch

Wildbienen beobachten

Wildbienen lassen sich tags√ľber wunderbar an Bl√ľtenpflanzen im eigenen Garten oder manchmal auch auf dem Balkon beobachten, wenn sie auf Nahrungssuche sind und von einer Bl√ľte zur n√§chsten fliegen. Die Bestimmung kann sehr schwierig sein. Manche Arten weisen typische Farbmuster auf dem K√∂rper auf und lassen sich mit etwas √úbung gut bestimmen. Bei anderen Arten ist die Bestimmung nur durch eine genaue Analyse des Fl√ľgelmusters, der K√∂rpersegmente oder der Behaarung der Beine unter einem Binokular m√∂glich. Einige kryptische Arten sind sogar f√ľr Experten kaum bestimmbar.¬†

 

Die Bestimmung von Wildbienen ist mitunter nicht einfach.

 

Holzbiene ¬© Cornelia H√ľrzeler /stadtwildtiere.ch

 

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Weiterf√ľhrende Informationen

Lebensweise

Lebenszyklus

Nestbauten

 

B√ľcher

Bienen Mitteleuropas von Felix Amiet, Albert Krebs und Andreas M√ľller

Wildbienen in der Stadt von Janina Voskuhl und Herbert Zucchi, Hauptverlag

 

Zitierte wissenschaftliche Literatur

(1) Hall et al. 2017: The city as a refuge for insect pollinators.

(2) Sirohi et al. 2015: Diversity and abundance of solitary and primitively eusocial bees in an urban centre: a case study from Northampton (England).
 
(3) Baldock et al. 2015: Where is the UK’s pollinator biodiversity? The importance of urban areas for flower visiting insects.

 

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