K√ľche

Der Olivenbaum: eine uralte Geschichte

17.07.2020, Valeria Renna

Die Luft vibriert in der Hitze, Grillen zirpen in der Ferne, vor uns majest√§tische, gedrungene B√§ume soweit das Auge reicht. Sie erraten, wo wir sind? Genau, an einem Ort im Mittelmeerraum mit Blick auf einen Olivenhain, auf dem Tisch etwas Brot und Salz und nat√ľrlich ein Fl√§schchen Oliven√∂l. Die mediterrane K√ľche ist ohne diese Zutat nicht vorstellbar. Die goldene Fl√ľssigkeit wird auf verschiedenste Weise in unz√§hligen Rezepten verwendet. Von Salaten bis zum Pizzateig, von gebratenem Gem√ľse bis zu Backkartoffeln. Nicht nur in der K√ľche, auch f√ľr kosmetische Zwecke wird es verwendet. Kurz, ein edles Produkt und Kulturgut mit Geschichte.
Ein Baum, der seit Jahrhunderten die Landschaft prägt

Olivenb√§ume (Olea europaea) sind immergr√ľne Pflanzen und ein wichtiges Element der mediterranen Vegetation und Kulturlandschaft. Sie stellen ein wertvolles kulturelles Erbe dar und werden seit dem 4. Jahrtausend v.Chr. als Nutzpflanze kultiviert. Es sind weise B√§ume, denn sie wachsen sehr langsam und k√∂nnen mehrere hundert Jahre alt werden. Als solche sind Olivenb√§ume auch eine touristische Attraktion. Im spanischen Tarragona und auf der griechischen Insel Kreta stehen mit 1700 bzw. 4000 Jahre die √§ltesten Exemplare und die Olivenhaine in Sizilien und Apulien sind eine beliebte Sehensw√ľrdigkeit. Olivenmuseen findet man mittlerweile in fast allen Anbaugebieten.¬†

 

Olivenb√§ume wachsen in allen Gebieten rund um das Mittelmeer und das Schwarze Meer, also in Gebieten ohne kalte Winter. Sie ertragen Hitze gut, sind aber frostempfindlich, wodurch die Ernte einzelner Jahre gef√§hrdet ist, zeitweise gar der Bestand ganzer Plantagen. Die B√§ume wachsen meist auf steinigen, steilen und im Sommer heissen und trockenen H√§ngen bis ca. 500 m √ľber dem Meeresspiegel. Sie ben√∂tigen wenig Wasser und D√ľngung und ertragen die harten Bedingungen wie kaum eine andere Kulturpflanze. Gerade in steilen Lagen hat der Erosionsschutz und die Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit durch Baumbewuchs hohe Priorit√§t. Leistungen, die in diesem Raum sonst nur Kiefern erbringen. Olivenb√§ume sind allerdings viel st√§rker brandgef√§hrdet. F√ľr die Ernte gilt im Allgemein: Je krummer und knorriger, desto besser der Ertrag.

 


 

Blätter eines Olivenbaums im Tessin. © Valeria Renna / stadtwildtiere.ch

 

 

Sehr alte Olivenbäume in Apulien. © Damian Langer, flickr.com 

 

Ein Bakterium bedroht die Olivenbäume

Leider ist eine gute Ernte auch in Hainen mit vielen krummen und knorrigen Baum nicht garantiert. Xylella fastidiosa heisst das l√§stige Bakterium, das seit rund sieben Jahren viele Olivenb√§ume in S√ľditalien bedroht und zur Austrocknung und zum Absterben der B√§ume f√ľhrt. 2013 trat das Bakterium zum ersten Mal auf und verursachte beispiellose Turbulenzen in der lokalen Wirtschaft. 2017 wurde es in Spanien nachgewiesen. In laufenden Studien versucht man herauszufinden, wie das Problem am besten einged√§mmt werden kann. So hat man festgestellt, dass einige B√§ume gegen die Bakterien resistent sind [1]. Andere schlagen vor, der Ausbreitung des Bakteriums mit einem nat√ľrlichen Feind entgegenzuwirken [2]. Dieses Bakterium ist nur eines von vielen Beispielen, das uns vor Augen f√ľhrt, wie fragil unsere Ern√§hrungssicherheit ist.¬†

 


 

Bl√ľhender Olivenbaum. ¬© Gandalf, Wikimedia commons¬†

 
Produktion des Naturprodukts 

90% der Olivenernte wird zu Oliven√∂l verarbeitet. Es handelt sich um das einzige √Ėl neben Palm√∂l, das aus Fr√ľchten und nicht aus Samen gewonnen wird. ¬ęNatives Oliven√∂l extra¬Ľ (ital. olio di oliva extra vergine), was f√ľr ein Name! Doch der Name weist auf wichtige Eigenschaften des √Ėls hin: Nativ bedeutet naturbelassen, das heisst, die Extraktion erfolgt durch ein bew√§hrtes mechanisches Verfahren. Extra bedeutet besonders gut und das √Ėl erf√ľllt damit die h√∂chsten Anforderungen an Geschmack und Zusammensetzung [3]. Spanien, Italien und Griechenland sind verantwortlich f√ľr 95% der europ√§ischen Oliven√∂lproduktion, die wiederum 80% der weltweiten Oliven√∂lproduktion darstellt.

 

√Ėl mit wohltuenden Eigenschaften

Das Oliven√∂l ist gesund wegen des hohen Anteils an unges√§ttigten Fetts√§uren, Polyphenole und Antioxidantien und wirkt sich positiv auf das Herzkreislaufsystem und den Fettstoffwechsel aus. ¬†Natives Oliven√∂l extra hat eine entz√ľndungshemmende Wirkung und ist bez√ľglich des Gehalts an Omega 6- und Omega 3-Fetts√§uren das Fett, das der Muttermilch am n√§chsten kommt. Ausserdem ist es sehr gut verdaulich, besser als Samen√∂le und Butter. Die wohltuenden Eigenschaften von Oliven√∂l nehmen beim Kochen mit hohen Temperaturen ab, aber es ist immer noch das beste √Ėl zum Braten. Es vertr√§gt die Hitze der Fritteuse oder Bratpfanne besser als viele Samen√∂le. Nicht zuletzt ist Oliven√∂l ein wirksames Hausmittel gegen Mundgeruch! Kurz: Oliven√∂l ist ein super Produkt! Beim Einkauf sollte jedoch unbedingt darauf geachtet werden, dass es biologisch und umweltfreundlich hergestellt wurde. Dadurch unterst√ľtzt man seine langfristige und nachhaltige Produktion.¬†

 

 

Das Oliven√∂l ist aus der mediterranen K√ľche nicht wegzudenken. ¬© stevepb, Pixabay

 
Der Olivenbaum in der Mythologie

Im antiken Griechenland galt der √Ėlbaum als heiliger Baum der G√∂ttin Athene. Dem Mythos zufolge haben Athene und Poseidon f√ľr ein Land in Griechenland gek√§mpft. Zeus entschied dann, dass derjenige das Land gewinnen w√ľrde, der das n√ľtzlichste Geschenk machte. Poseidon ber√ľhrte die Erde und liess eine salzige Wasserquelle entspringen.¬†An der Stelle, an der Athenes magischer Speer auf den Boden traf, entsprang ein Olivenbaum. Zeus erkor Athene zur Siegerin und entschied, dass die Hauptstadt Attika Athen genannt werden sollte [4]. Die G√∂ttin Athene bot den Olivenbaum den Athenern als Zeichen des Friedens, nachdem sie den Gott Poseidon besiegt hatte. Die alten Griechen betrachteten den Olivenbaum als heilige Pflanze und verwendeten seine Zweige zur Herstellung der Kronen, die den Athleten verliehen wurden, die die Olympischen Spiele gewannen.¬†

 

 

Olivenbäume in der Toskana. © Claudia Kistler / stadtwildtiere.ch

Der Olivenbaum ist auch in der Bibel als Symbol des Friedens zu finden. Im Buch wird erz√§hlt, wie eine Taube Noah einen Olivenzweig bringt und ihm verk√ľndet, dass Erde und Himmel sich vers√∂hnt haben. Von diesem Moment an nahm der Olivenbaum eine doppelte Bedeutung an: Er wurde zum einen zum Symbol der Wiedergeburt, denn nach der Zerst√∂rung durch die Sintflut bl√ľhte die Erde wieder auf; und zum anderen wurde er zum Symbol des Friedens, denn er bezeugte das Ende der Strafe und die Vers√∂hnung Gottes mit den Menschen. F√ľr die R√∂mer war der Olivenbaum ein illustres Symbol f√ľr erlauchte M√§nner, f√ľr die Juden war er ein Symbol f√ľr Gerechtigkeit und Weisheit. Unabh√§ngig von Religion und Mythen, ein Olivenbaum im Garten ist sicher eine gute Idee. Nicht nur der positiven Symbolik wegen, sondern in erster Linie als Ressource f√ľr das eigene Oliven√∂l!¬†
 

Quellen

[1]: Xylella fastidiosa in olive in Apulia: where we stand, 2019 Phytopathology review, Saponari et al. 
[2]: A biological control model to manage the vector and the infection of Xylella fastidiosa on olive trees, April 2020, Plos One, Liccardo et al. 
[3]: Olivenöl Wissenwertes
[4]: The Contest between Athena and Poseidon. Myth, History and Art

Weiterf√ľhrende Info
  • Can Apulia‚Äôs olive trees be saved? (Bericht)
  • Geschichten von Oliven√∂l ‚Äď Produzenten¬†
  • App von WWF um verschiedene LOGOS im Alltag zu erkennen (vor allem n√ľtzlich beim Einkaufen)
  • Olive Oil award Z√ľrich¬†
  • Sehenswerter Film √ľber eine Geschichte um einen Olivenbaum

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